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Hans Friedrich Interview

Hans Friedrich hat die besten Geschichten und Fotos aus zehn Jahren Mellowpark zu einem 216-seitigen Buch zusammenzutragen. Wir haben ihm ein paar Fragen zum längsten Liebesbrief des Jahres gestellt.

Hans Friedrich in seinem Shop im alten Mellowpark. Näheres erfahrt ihr im Interview

Hans, stell dich doch mal kurz vor.
Hans Friedrich, 30 Jahre, männlich, wohnhaft in Berlin.

Kannst du dich noch an deinen ersten Tag im Mellowpark erinnern?
Als ich damals das Gelände vom Mellowpark zum ersten Mal betreten habe, gab es noch keinen Mellowpark. Es gab dort nur eine riesige Industriebrache mit einer Tableline und ein paar alten, baufälligen Hallen. Manchmal sind wir dort BMX gefahren, haben heimlich gekifft und Scheiben eingeschmissen. Im Winter 1999 sind dann die Jungs vom all eins e.V. auf die Idee gekommen, auf dieser Brache einen Platz zu kreieren, an dem sich verschiedene Jugendkulturen treffen können. Also einen Ort, an dem Fußballer, Sprüher, BMXer und SK8ter zusammen Zeit verbringen können. Ich hatte 2001 irgendwie das Glück, eine der begehrten Zivildienststellen beim all eins e.V. zu ergattern und genau in dem Jahr haben wir auch angefangen, den Mellowpark aufzubauen. Ab dann war die Geschichte vom Mellowpark auch ein Teil meiner eigenen Geschichte.
An meinen ersten Arbeitstagen habe ich mit meinem Kollegen Miguel Schrott aufgesammelt, Ratten verscheucht und immer wieder überlegt, wo wir die Trails aufbauen. Das waren unvergleichliche Tage, die geprägt waren von harter, körperlicher Arbeit, viel Spaß und dem unbewusstem Gefühl, das Richtige zu tun.

Der Mellowpark im Jahre 2001

Was ist heute deine Aufgabe im großen Ganzen des Mellowparks?
Mir wird immer vorgeworfen, das ich der größte Kritiker des Mellowparks bin und vielleicht stimmt das auch. Gemacht habe ich im Mellowpark eigentlich schon alles, was man sich im Zusammenhang mit BMX vorstellen kann. Ich habe, in enger Zusammenarbeit mit dem Mellowpark-Team, vor allem mit Jens Werner, den Highway to Hill und die German Open 2003 und 2008 auf dem Mellowpark organisiert. Ich hatte mal einen BMX-Shop auf dem Gelände, habe BMX-Workshops gegeben und das Zwanzig Zoll Magazin ist hier ebenfalls unter Jens Werners und meiner Federführung entstanden. Außerdem baue ich mit ein paar Burschen, die zu meinen besten Freunden zählen, die Trails auf dem Mellowpark und lasse dort ordentlich den Chef raushängen, was mir in den vergangenen zehn Jahren besonders in der MTB-Szene nicht gerade viele Freunde beschert hat. Hauptberuflich bin ich selbständig als Grafiker, Texter und Videomensch unterwegs und versuche im Mellowpark so oft zu helfen, wie es meine Zeit zulässt. Außerdem mache ich z. B. die Grafik für den H2H, verschiedene Videoprojekte für den Mellowpark und versuche alles, was im Park passiert, zu dokumentieren.

Hans bei der Arbeit

Was hat dich dazu bewegt, dieses Buch zusammenzutragen?
Ich hatte schon immer ein Faible für Bücher und finde es sehr bewundernswert, wenn Menschen sich die Mühe machen ein Buch zu schreiben. Außerdem mag ich das Haptische von Printprodukten und dass man das, was einmal gedruckt wurde, nicht so einfach löschen kann. In einem gedruckten Foto oder einem Wort steckt viel Wahrheit, man kann es nicht so einfach revidieren, man muss sich genau überlegen, was man aussagen will. Genau das „gefällt mir“, um wieder in der Sprache der digital natives zu sprechen. Außerdem wollte ich schon immer selber mal ein Buch machen. Irgendwie hatten Jens Werner und ich parallel die gleiche Idee und so haben wir Anfang 2011 kurz darüber gesprochen und dann habe ich einfach angefangen, an dem Buch zu arbeiten. Es hat mir viel Spaß gemacht, dieses Buch zu machen und es war eine große Herausforderung. Ich hoffe, das ist nicht das letzte Buch, was ich in diesem Leben umsetzen werde.

Hans mit einem 360 Nosedive auf den Mellowpark-Trails

Was wolltest du mit dem Buch rüberbringen?
Das Buch beschreibt eine Zeit, die viele Menschen aus meinem Freundeskreis und mich selber sehr stark geprägt hat. Außerdem wollte ich zeigen wie wichtig es ist, etwas zu haben, woran man glauben kann und wie verbindend es ist, diesen Glauben mit anderen Menschen zu teilen. Ich wollte unsere Fehler und unsere Stärken zeigen, beweisen, dass es im Leben nicht immer nur um die Kohle geht, dass wir gestritten haben, aber trotzdem Freunde geblieben sind. Dass es wichtig ist, Chancen zu erkennen und diese zu nutzen, und das wir eine unvergleichliche Zeit erlebt haben. Ich wollte den Mellowpark genauso zeigen wie er ist: mit einer Berliner Schnauze, großmäulig, liebenswert, lebhaft, motivierend.

2008 stand der Mellowpark kurz vor dem Aus

Wie muss man sich den Entstehungsprozess eines solchen Buches vorstellen?
Zuerst habe ich etliche Bilder gesichtet, gescannt und nach Jahren sortiert. Dann habe ich Menschen aus meinem Umfeld gebeten, mir ihre Story aus dem Mellowpark zu schicken. Nachdem ich alles gesammelt und sortiert hatte, habe ich einfach ein InDesign-Dokument angelegt und aus dem Gefühl angefangen, das Buch umzusetzen. Während dieses Entstehungsprozesses hatte ich dann immer wieder neue Ideen für verschiedene Inhalte, die ich teilweise übernommen habe. Das ist zwar nicht gerade eine ökonomische Arbeitsweise – in jeder Agentur hätten sie mich wahrscheinlich gefeuert –, aber ich wollte das Buch genauso entstehen lassen wie den Mellowpark: Stück für Stück ohne eine konventionelle Arbeitsweise und ohne ein festes System, das mich vielleicht hindert, auf bestimmte Ideen zu kommen und diese umzusetzen. Weiterhin hatte ich freie Hand bei allen Texten, der Bildauswahl und der Gestaltung des Buches, was teilweise ein komisches Gefühl war.
Umso mehr Leute mitbekommen haben, dass ich ein Buch über den Mellowpark mache, desto größer wurde die Erwartungshaltung. Ich habe mir dann selber ziemlich großen Druck gemacht und besonders in den Wochen bevor das Buch zur Druckerei gegangen ist, ziemlich schlecht geschlafen.

Hans hat für sein Buch so manchen Schatz ausgegraben, wie z. B. dieses Foto von Tobias Wickes erstem Flipwhip

Wie lange hast du letztendlich gebraucht, um das Buch fertig zu stellen?
Ich habe mit Unterbrechungen über ein Jahr an dem Buch gearbeitet.

Das Buch hat keinen festen Preis. Was ist die Idee dahinter?
Der Buchpreis war ein kleines Streitthema zwischen mir und dem Vorstand des all eins e.V. Am Ende ist der Vorstandsvorsitzende, Lars Lavendel, auf die Idee gekommen, dass jeder so viel bezahlt wie er Jahre auf dem Zettel hat und alle waren damit einverstanden. Es ging ja nie darum, mit dem Buch Geld zu verdienen. Das Buch ist eher als Dankeschön für alle gedacht, die den Mellowpark begleitet und unterstützt haben. Der Gewinn aus dem Verkauf fließt auch nicht in meine Tasche. Wer das Buch kauft, unterstützt den Mellowpark und die Menschen, die den Park möglich machen.

Das Mellowpark-Buch kannst du direkt bei Hans bestellen. Tipps für No Footed CanCans gibt es gratis dazu

Wo kann man das Buch bekommen?
Das Buch kann man entweder unter www.mellowpark.de/buch bestellen oder mir einfach eine E-Mail schicken (hans_ät_zwanzig-zoll.de).

Haben wir noch etwas vergessen?
Vielleicht ist hier wichtig, zu erwähnen, dass dieses Buch nur meine Sicht auf den Mellowpark darstellt, und das man den Mellowpark auch anders und vielleicht auch kritischer sehen kann als ich. Für mich hat dieses Projekt vieles erst möglich gemacht und nun hatte ich sogar die Chance, ein Buch darüber zu machen, was neben eigenen Trails, einem BMX-Magazin, einem BMX-Shop und vielem mehr ein kleiner Traum von mir war.

216 Seiten BMX-Geschichte: das Mellowpark-Buch ist jetzt erhältlich

Fotos: David Ulrich

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