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Mein Senf: Pro Trekker AW II

Als der Reißverschluss meines Fotorucksacks nach vier Jahren im Einsatz den Dienst quittierte, war ich nicht sonderlich verärgert. Vier Jahre sind ungefähr das Doppelte der Lebenszeit eines normalen Rucksackes bei mir und ich hatte mich beim Kauf nicht gerade in Unkosten gestürzt. 35 Euro wollte der Verkäufer auf dem Flohmarkt dafür haben, ein Zehntel des damaligen Neupreises, und ich schämte mich fast ein bisschen dafür, den neuwertigen Rucksack von einem so offensichtlich planlosen Menschen zu erwerben. Aber so funktioniert das eben im Kapitalismus…

Da ich sowohl mit der Lebensdauer als auch der Funktionalität des Rucksackes glücklich war, wollte ich eigentlich das gleiche Modell wieder kaufen. Dummerweise war seitdem die gesamte Lowepro-Palette war modernisiert worden. Andere Hersteller ließen mich kalt (die meisten hatten überhaupt keinen vergleichbar großen Rucksack im Angebot) und so war die nächste Entsprechung zu meinem Wunschmodell der Lowepro Vertex 300 AW, über den ich hier schon ein paar Worte verloren habe. Wirklich Enthusiasmus konnte ich für den Rucksack nicht aufbringen und tatsächlich ließ mich der Kompressionsgurt an einem Schultergurt dann auch nach knapp drei Wochen im Stich und riss ab. Das lag eindeutig an den begrenzten Verstellmöglichkeiten, denn um den Rucksack tragen zu können, ohne mir die Luft abzuschnüren, musste ich alle Riemen bis zum Anschlag anziehen und alle Nähte standen damit unter Dauerstress. Kann sein, dass es ein Extremfall ist, wenn jemand mit meiner Größe den Rucksack regelmäßig bis zur äußersten Belastungsgrenze voll stopft, aber länger als drei Wochen dürfte der dann trotzdem halten. Ein Wochenende musste ich also das schief sitzende und unangenehm schaukelnde Ding auf meinem Rücken ertragen, dann ging es postwendend zurück an den Verkäufer, der mir auch brav innerhalb kürzester Zeit das Geld zurückerstattete.

Das neue Baby

Was mich zu meinem neuen Schätzchen bringt. Der Pro Trekker AW II ist ein Auslaufmodell, das man mit ein bisschen Glück aber trotzdem noch neu bei ebay finden kann. Der erste Eindruck ist wesentlich wertiger als beim Vertex, die Reißverschlüsse sind abgedichtet und die Schultergurte machen nicht so einen dünnen Eindruck. Erste Überraschung: Das Stativtragesystem funktioniert, ohne dass die Stative wackeln oder sanft bei jedem Schritt an meinen Hinterkopf schlagen. Hurra! Das Innenleben ist wie gehabt, der mit drei Klettverschlussstreifen befestigte Deckel ist ein bisschen zu lose für meinen Geschmack, aber deswegen kann man sein Equipment auch höher stapeln, wovon ich meistens Gebrauch mache. Die Seitentaschen sind mit einem Befestigungsmechanismus versehen, der sie im Vergleich zum alten Pro Trekker tatsächlich benutzbar macht, ich kann also jetzt noch mehr Krempel einpacken und das Kampfgewicht über die üblichen 21 Kilo hinaus noch etwas steigern. Das ginge auch durch Benutzung des Daypacks, eines Minirucksackes, den man noch vorne an den Hauptrucksack hängen kann. Echt nette Idee, aber haben die Hannes Koch vor Augen, wenn die sich sowas ausdenken? Wenn ich den Rucksack vollmache, die Seitentaschen befülle und dann noch den Daypack mit Snacks und Getränken dranhänge, kippe ich höchtswahrscheinlich beim Aufsetzen des Rucksacks hintenüber.

Maximale Belastung erreicht

Aber kommen wir zur Hauptattraktion: Hätte ich vorher gewusst, was dieser Rucksack für ein Tragesystem mit sich bringt, hätte ich auch ohne zu zögern den doppelten Preis gezahlt. Denn es ist mit Hilfe des Pack Jacks und großzügigem Einsatz von Klettverschluss stufenlos verstellbar, sodass ich das erste Mal in meinem Leben das Gefühl genießen kann, dass der ordentlich gepolsterte Hüftgurt tatsächlich auf den Hüftknochen aufliegt und mir nicht irgendwo nördlich davon die Luft abschnürt.

So genial wie eine Schweizer Uhr: der Pack Jack

Und damit hier nicht der Eindruck entsteht, ich würde von Lowepro bezahlt werden: Die Spanngurte am Hüftgurt sind leider sinnlos kompliziert verlegt worden, die schlackern praktisch immer in der Gegend rum. Und die auf den Deckel aufgesetzten Taschen des Vertex vermisse ich jetzt schon ein bisschen, aber das ist Meckern um des Prinzips willen – dieser Rucksack ist großartig.

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