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Still United: Peter Adam Interview

Schnell produzierte Webedits regieren die Welt, da ist es schon etwas Besonderes, wenn eine neue DVD auf den Markt kommt. Das war nicht immer so, denn es gab mal eine Zeit, als diese Form der Außendarstellung als Nonplusultra in der BMX-Welt galt. Doch der damit verbundene Zeitaufwand, die hohen Kosten und die ganzen Kopfschmerzen, die solch ein Projekt verursacht, schrecken mittlerweile viele Firmen davon ab, diesen steinigen Weg zu beschreiten. Nicht so United Bike Co., wo man seit jeher großen Wert auf hochwertige Bewegtbildproduktion legt. Und so beauftragte man im Winter 2013 Peter Adam damit, mit den Dreharbeiten zu Still United zu beginnen. Peter ist einer der besten Filmer im Biz und hat sich mit der United-DVD, die vor ein paar Wochen in Hastings ihre Weltpremiere feierte (siehe dazu auch unser Video), definitiv selbst übertroffen. Die Kollegen von unserer Schwesterseite rideukbmx.com haben sich mit ihm zusammengesetzt und über dieses epische Projekt gesprochen. Hier ist die Übersetzung des Interviews.

Hey Peter, erzähl uns doch mal, wie man sich den Produktionsprozess von Still United vorstellen muss.
Ja, eine DVD zu machen, ist schon eine große Sache. So ein Projekt erfordert von allen Beteiligten volle Hingabe. Wir haben mit den Dreharbeiten im Dezember 2013 angefangen und der letzte Trip war im Dezember 2015. Bis auf ein paar wenige Monate, in denen ich an anderen Videos gearbeitet habe, waren wir in diesem Zeitraum jeden Monat für die Still United unterwegs. Manche Trips waren eine Woche lang, manchmal waren wir aber auch zwei Wochen unterwegs. Auf jeden Fall haben wir ordentlich Kilometer gefressen. Ich habe keine Ahnung, wie viel Footage wir gesammelt haben, aber es war eine Menge! Ich habe alle Aufnahmen auf drei verschiedenen 5-TB-Festplatten gesichert, weil ich super Angst hatte, das die Aufnahmen verlorengehen. Ich habe außerdem alle Clips benannt, um einer Panikattacke beim Schneiden vorzubeugen.

„So ein Projekt erfordert von allen Beteiligten volle Hingabe.“

Der erste Rohschnitt war im Oktober 2015 fertig. Zwischen Dezember 2015 und Februar 2016 habe ich mich dann ein wenig verrannt. Ich habe verschiedene Songs ausprobiert und jeden Clip auf die Goldwaage gelegt. Ich habe vorher Horrorstorys von Leuten gehört, die an ähnlichen Projekten gearbeitet haben und mit dem Deadlinestress nicht klarkamen. Ich kann das jetzt auf jeden Fall nachvollziehen! Eine DVD zu produzieren ist schwere Arbeit. Du musst dich mit den Fahrern abstimmen, um die Grafiken und die Musik kümmern, die Reihenfolge der Parts festlegen und so weiter und sofort. Ich habe deshalb darauf geachtet, dass das ganze Drumherum schon in trockenen Tüchern war, bevor ich mit dem Schneiden angefangen habe. So konnte ich mir dabei Zeit lassen und die DVD so fertig machen, wie wir sie uns vorgestellt haben.

Du hast eine sehr lebhafte Fantasie, was sicherlich toll, aber auch bestimmt nicht immer einfach ist. Und bist sehr gut darin, Videos zu produzieren, die sich vom Rest abheben. Inwiefern ist Still United anders?
Ja, man kann schon sagen, dass meine Fantasie Segen und Fluch zugleich sind, haha. Danke! Man wandelt auf einem schmalen Grad, wenn man ein BMX-Video rausbringen möchte, das sich vom Rest abhebt. Schließlich möchte man es ja auch nicht übertreiben, sonst wird das Ergebnis schnell peinlich. Während des ersten Jahres, in dem wir an Still United gearbeitet haben, habe ich auf jedem Trip wie ein Besessener gefilmt. Anfang des zweiten Jahres haben wir dann entschieden, wer eine Section bekommt, und anschließend damit angefangen, das Puzzle zusammenzufügen.

„Man wandelt auf einem schmalen Grad, wenn man ein BMX-Video rausbringen möchte, das sich vom Rest abhebt.“

Das Ziel war es, ein schnörkelloses BMX-Video rauszubringen, das den Test der Zeit besteht. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber bei solch einem hochkarätig besetzten Team war es nicht schwierig, sich ein paar lustige Intros auszudenken. Wobei nicht alle Sections ein Intro haben. Ich glaube, man kann sagen, dass das Video organisch gewachsen ist. Nur ab und zu haben wir ein wenig nachgeholfen, um sicher zu gehen, dass es sich in die gewünschte Richtung entwickelt.

Icepickgrind von dem Mann hinter „Still United“: Peter Adam

An welchen Moment während der Dreharbeiten zu Still United erinnerst du dich am liebsten zurück?
Die letzten beiden Jahren waren für uns alle sehr intensiv. Zwischen den Trips haben wir schon den nächsten Trip geplant und ich habe ja auch noch zwischendurch an einigen anderen Projekten gearbeitet. Es ist so viel passiert, dass es unmöglich ist, einen Moment herauszupicken. Ich muss allerdings sagen, dass es schon ein besonderer Moment war, als die erste gebrannte Version der DVD in meinem Briefkasten lag. Die DVD aus dem Umschlag zu nehmen und in meinen DVD-Player zu schieben, war schon toll. In diesem Moment wurde mir klar, dass all die Reisen, das Filmen, Schneiden und die ganze harte Arbeit von allen Beteiligten jede Sekunde wert war.

Und was war der schlimmste Moment?
Obwohl ich zwei Jahre lang mit den Jungs gefilmt habe, gab es zum Glück nur wenige Verletzungen. Aber als Corey sich sein Schlüsselbein gebrochen und Nathan sich ausgeknockt hat, war das schon ziemlich krass. Und das Krasseste war: Beide Stürze passierten am selben Tag, auf unserem letzten Trip! Nur wenige Stunden lagen dazwischen.

Wie oft wurde dir dein Rad während der Dreharbeiten gestohlen?
Zweimal. Allerdings wurde mir vorher noch nie ein Rad gestohlen. Das erste Mal war es meine eigene Schuld. Es passierte nach der Monster Street Series in New York. Wir waren in einer großen Gruppe auf dem Rückweg ins Hostel. 
Tom White, Ty Morrow, Rat Kid, Hoder, Edwin, Bruno, Lacey und einige andere waren dabei. Wir sind auf dem Weg in einer Bar eingekehrt und haben die Räder draußen alle auf einen Haufen geworfen. Nachdem wir ordentlich einen gehoben hatten, war es an der Zeit, weiterzufahren. Alle Räder waren noch da, nur meins nicht!
Das zweite Mal wurde mir mein Rad an einer Schule in San Francisco geklaut, nachdem wir den Van ausgeladen hatten. Ich habe Christian Rigals Lampen, meine Kameratasche, eine Stativ und ein paar andere Sachen getragen, denn wir wollten ein Rail auf dem Schulhof ausleuchten. Meine Hände waren also voll, deshalb konnte ich mein Rad nicht mitnehmen, was ich eigentlich immer tue. Wie dem auch sei, nach einer guten Session sind wir zurück zum Van, dessen Scheiben eingeschlagen worden waren. Mein Rad war weg. Ich hatte nach dem Trip einen zwölftägigen Urlaub mit meiner Freundin in Kalifornien geplant und freute mich darauf, ein wenig selber zu fahren. Danke an Ralph Sinisi von Animal Bikes, der mir beim ersten Mal ausgeholfen hat, und an Ian Morris von United, der mich in beiden Fällen mit neuen Teile versorgt hat.

 

Peter bei der Arbeit; Foto: John Wells

Haha! Es ist ohnehin ziemlich stressig, ein Video zu produzieren. Und das umso mehr, wenn der Vorgänger This Is United heißt. Was war an diesem Projekt, abgesehen von den ganz normalen Tinder-, Gras- und Alkoholgeschichten, am anstrengendsten?
Ja, Coxie [Joe Cox, der Filmer hinter This Is United; Anm. d. Red.] hat ordentlich einen vorgelegt. Ich liebe seine Videos und habe ihn sogar angerufen, als ich dieses Projekt übernahm. Wir sind seit Jahren gute Freunde und er hat mir ein paar Tipps gegeben. Wir haben uns darüber unterhalten, wie sehr sich BMX-DVDs verändert haben, seitdem This Is United vor sechs Jahren rausgekommen ist. Auf ein paar Hürden, die es zu nehmen halt, habe ich ja bereits hingewiesen. Du musst einfach einen Schritt nach dem nächsten abhaken. Es gibt keine Abkürzungen bei so einem Projekt. Man zieht einfach mit dem Team los und versucht, mit eventuellen Problemen möglichst gut fertig zu werden. Und dann hofft man, dass den Leuten das Ergebnis gefällt.

Gefällt es dir?
Ja, auf jeden Fall. Ich meine, bei einem Projekt dieser Größenordnung muss man viele Dinge beachten und es kann dabei natürlich eine Menge schief gehen. Ein paar Clips sind vielleicht nicht so perfekt gefilmt, wie ich es gerne gehabt hätte, aber damit muss man leben, wenn dir ständig Cops oder Sicherheitsleute im Nacken sitzen. Am Ende tragen solche Clips zum Charakter des Videos bei. Außerdem hofft man natürlich immer, noch mehr Footage zu filmen, aber irgendwann muss man auch mal einen Schlussstrich ziehen und sich eingestehen, dass das Video abgedreht ist.

Du bist bekennender BMX- und Skatevideonerd. Was sind deine Lieblingsvideos?
Ich erinnere mich daran, dass ich früher auf Trips immer ohne Ende BMX- und Skatevideos geguckt und dann alle möglichen Leute damit vollgequatscht habe. Manch einer dachte bestimmt, dass ich nicht ganz dicht sei. Auf jeden Fall habe ich schon immer starke Parallelen zwischen BMX- und Skatevideos gesehen. Das fängt schon bei den Tricks an, aber auch die Art zu filmen und die Spots ähneln sich. Ich bin in einer abgelegenen Gegend aufgewachsen, wo es nur eine kleine Szene gab. Deshalb haben die BMXer und Skater auch zusammengehalten. Außerdem waren die Skater coole Typen, weshalb ich mit ihnen abhängen wollte, haha. Wie dem auch sei, ich habe schon immer sehr viele BMX- und Skatevideos geguckt. Als noch keine Webvideos gab, habe ich mir im Büro des Dig Magazines jedes Video angeguckt, das reinkam – ganz egal, ob es eine große Produktion oder ein Localvideo war, das mit zwei Videorekordern geschnitten worden war. Ich kann beim besten Willen keinen Favoriten nennen. Dafür müsste ich eine Liste anlegen, die von heute bis in die frühen 1990er Jahre zurückgeht. Manche Videos mochte ich nur wegen einer Section. Ich könnte endlos darüber philosophieren.

Inweifern haben sich BMX-Videos verändert seitdem du in den 70er Jahren selber angefangen hast, zu filmen?
Im Seventies-Lagerhaus vielleicht … Was für eine Frage! Es gibt heute auf jeden Fall viel mehr davon. Ich finde, Videos haben sich sehr viel und gleichzeitig gar nicht verändert. Es gibt alte Videos, in denen Eddie Roman seine Freunde dabei filmt, wie sie Unsinn machen. Und es gibt heutzutage Videos von Alex Donnachie oder wem auch immer, die ihre Freunde dabei filmen, wie sie Unsinn machen. Der Unterschied ist, dass man heute viel einfacher an Videos rankommt. Manche davon wurden mit viel Sorgfalt und Leidenschaft gefilmt, andere werden einfach kopflos als sogenannter Onlinecontent rausgehauen. Ich bilde mir ein, dass ich Veränderungen und neuen Technologien gegenüber offen bin. Die Kameras, die man heutzutage kaufen kann, sind viel besser und günstiger als früher. Wenn dem nicht so wäre, würde ich jetzt nicht hier sitzen und diese Frage beantworten. Aber es gibt auch einen Teil von mir, der sich in die Zeit zurücksehnt, als man noch mit einer TRV900 und einem Century Mini Fisheye losgezogen ist, die in einen Pulli eingewickelt waren, und es kaum erwarten konnte, bis das nächste große Video rauskommt, haha. Wie gesagt: Die Menge der Videos, die die Leute mittlerweile filmen und gucken, ist heute viel größer. Und das hat auch die Art und Weise verändert, wie Fahrer und Filmer an ein Projekt herangehen. Die einzige Konstante ist der Wandel.

Was ist dein Lieblingsvideo unter all den Projekten, an denen du bisher gearbeitet hast?
Still United.

Meins auch! Im Laufe deiner Karriere hast du schon mit vielen verschiedenen Fahrern zusammengearbeitet. Gibt es jemanden, den du noch nicht vor der Kamera hattest, aber gerne einmal filmen würdest?
Ja, ich hatte das Glück, mit vielen Fahrern zu filmen, zu denen ich früher aufgeblickt habe. Dazu zählen Joe Rich in seiner Dreadlockphase, Steven Hamilton auf den Straßen von San Francisco, die neue Generation von Streetfahrern und natürlich das ganze United-Team. Ich würde wirklich gerne Dave Parricks Comeback-Edit filmen. Ich weiß, dass er irgendwo da draußen ist und Smiths und Tucks macht.
 

Erzähl uns zum Schluß noch einen Witz.
Wie viele BMXer braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln?

Keine Ahnung. Wie viele?
20. Einen, um die Glühbirne zu wechseln, und neunzehn, die drumherum stehen und „yeeeeeeaaaahhhh“ schreien.

Lols!

Still United ist ab sofort beim BMX-Dealer deines Vertrauens erhältlich. Eine Behind-the-scenes-Gallery von den Dreharbeiten findest du HIER.

Interview: John Wells

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