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Rest in peace, Frankfurter Ghettospot!

Schlechte Nachrichten aus Hessen: Vor zwei Wochen wurde der berühmt-berüchtigte Ghettospot in Frankfurt abgerissen. Bruno Hoffmann, Sebastian Anton und Merlin Czarnulla von der Ciao Crew lassen für uns noch einmal die besten Storys aus ihrem Wohnzimmer Revue passieren. Seufz, Brudi!

EINE OASE IN DER BETONWÜSTE:

„Wie schon seit zig Jahren erwartet, wurde der Frankfurter Ghettospot pünktlich zum Sommer plattgemacht. Zentrumnah gelegen, dennoch weit genug vom Schuss weg, um seine Ruhe zu haben, stand er dort wie eine Oase in der Betonwüste der Stadt. Elf Jahre lang war der Ghettospot ein Anlaufpunkt für Skater, BMXer und Graffitiboys aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet, überregionale Bekanntheit erreichte er durch Skatedemos und (DUB) BMX JamsVor allem im Sommer hieß es oft „ab zum Ghetto“.

Wie viele Kilo Fleisch gegrillt, Liter Bier getrunken und Sportzigaretten hier geraucht wurden, ist nicht mehr nachvollziehbar. Aber eins ist klar: Der Ghetto wird jetzt schon schmerzlich vermisst! Shout-out an die Skater für die endlosen Baustunden, die Rumänen für ein meist harmonisches Zusammenleben und dem Inhaber für’s in Ruhe lassen.“ – Bruno Hoffmann

KURWA:

„Als wir letztens zum Ghetto gefahren sind, habe ich mir überlegt, dass das eine gute Gelegenheit wäre, um da mal ein bisschen die Wände zu lackieren. Dementsprechend habe ich mir ein Arsenal an Sprühdosen eingepackt. Als ich dann am Spot angekommen bin, war ich hardcore geflasht, weil auf dem Grundstück drei Schrottkarren rumstanden: ein Bus als perfekte Leinwand und zwei Kleinwagen.

Foto: Sebastian Anton

In der Annahme, dass die keine Sau mehr vermisst, habe ich mich sofort drangemacht, die Dinger von oben bis unten komplett zu lackieren – mit Windschutzscheibe zubomben und allem. Nachdem ich fertig war, bin ich noch ein wenig mit den Jungs den Spot gefahren, da höre wir auf einmal nur einen Schrei: KURWA, meine Autos! Kurz darauf steht ein polnischer Kawenzmann, Mitte Dreißig, mit einem Krückstock in der Hand vor uns und schreit uns an: „Ihr wart das! Ihr Wichser, meine Autos! Ich bring euch um!“ Kurz: der hat voll den Terror gemacht. Das war ein Typ, mit dem du dich nicht anlegen möchtest. Der hat auf jeden Fall schon ein paar Barhocker auf dem Gesicht zerschlagen bekommen. Wir haben dem dann klargemacht, dass wir nur Fahrrad fahren und mit seinen armen Autos natürlich nichts zutun haben. Zum Glück hat er die Farbe an meiner Hand nicht gesehen. Wir sind dann noch so 20 Minuten alibimäßig da rumgerollt  und haben dann ganz schnell das Weite gesucht. Als wir abgezogen sind, hat der Typ den geilsten Urschrei abgelassen: KUUURRRWAAA! Das war der absolute Wahnsinn!“ – anonym

GESICHTSGRIND:

„Früher haben ein paar Penner eine Zeit lang in den Katakomben unter der oberen Fläche gewohnt. Irgendwann haben die dann angefangen, sich so Hütten zu bauen. Ein paar davon wurden kurz darauf von einigen Sprühen angemalt. Die anderen fanden das so geil, dass sie dann auch wollten, dass man ihre Hütten ansprüht. Die Homies waren eh die Geilsten. Ständig kamen sich zu uns, um Bier zu schnorren, auf unseren Rädern zu fahren oder Terror zu machen.

Foto: Sebastian Anton

Eine andere harte Story ist auch, als der Manni vor zehn Jahren mal das London Gap von oben reinspringen wollte und sich dabei übelst auf die Fresse gelegt hat. Er hatte gut Speed drauf, beim Reinfahren ist ihm aber seine Hose in die Kette gekommen, sodass er nicht mehr hochziehen konnte. Beim Hochziehen ist ihm das Vorderrad abgesackt und er hat dann einen fünf Meter langen Gesichtgrind auf dem Beton hingelegt. Ich glaube, er hat sich bei der Aktion vier Zähne rausgeschlagen. Die Blutspur ist da heute noch. “ – Merlin Czarnulla

180 Bars von Jan Bema; Foto: Merlin Czarnulla
Bruno Hoffmann, Over Tooth und zurück; Foto: Merlin Czarnulla
Die Haare! Merlin Czarnulla hat diesen Wallride im Jahr 2008 abgehakt; Foto: Niels Daxl
Max Hock, Candybar; Foto: Merlin Czarnulla
Felix Reinhart, No Footed CanCan; Foto: Sebastian Anton

Gute Beziehungen:

Was meiner Meinung nach nicht vernachlässigt werden darf, ist, dass der Spot zu 99 % den Skateboardern Frankfurts zu verdanken ist, die uns weltoffen dort Rad fahren lassen haben. Kann mich nur an eine Aktion von Spangie erinnern, wo er mit uns zusammen die alten Deepend-Rampen dort abgestellt hat.

Ride together, not against; Foto: Wanja Vogt

Für mich war es immer ein Ort der Ruhe und Freiheit. Hier konnte jeder in seinen Rollpausen machen was er wollte. Auch ohne eine Verabredung zu haben, war es immer ein Ort, um sich mit Gleichgesinnten die Zeit zu vertreiben. Der Ghetto ist meiner Meinung nach der Grundstein für die gute Beziehung zwischen Skateboard und BMX in Frankfurt.“ – Wanja Vogt

Chillen am Ghettospot in Frankfurt

DIE PARTY IST VORBEI:

„Alleine daran zu denken, dass wir diesen Sommer in Frankfurt ohne den Ghettospot verbringen müssen, tut schon so weh, als ob das Bier alle wäre. Doch nach zwölf stabilen Jahren ist die Party trauriger Weise vorbei. Persönlich habe ich nur acht Jahre miterlebt und währenddessen hat der damals noch eher als „Secret Spot“ bezeichnete Ghetto viele Zeiten und Veränderung durchgemacht.

Foto: Sebastian Anton

Zu Beginn war der Ghetto ein reiner Urwald, bei dem es nach dem Eingang die Möglichkeit gab, sich nach rechts oder links durch das Gewächs zu kämpfen, um zu den jeweiligen Ebenen zu kommen. Außenstehende konnten dadurch natürlich nicht sehen, was sich hinterm grünen Dickicht abspielte, und so hatte man nie dieses schäbige Zirkusgefühl, was öfters mal beim Streetfahren vorkommt. Man hatte Ruhe vor allen Menschen, die nichts mit BMX oder Skateboarding zu tun haben und somit auch keine Skateparkdiskussionen mit Eltern, deren Scooterkinder man aus Versehen überfahren hat, weil es seine Augen nicht benutzt hat.

Bruno Hoffmann, Half Cab; Foto: Sebastian Anton

So vor geschätzten zwei oder drei Jahren hatten wir schon einmal fast Pippi in den Augen, weil alles Grüne wegrasiert und die kleine schäbige Minirampe zugeschüttet worden war. Dementsprechend lief das Gerücht durch Frankfurt, dass die letzten Tage des Ghettos gekommen seien. Doch die Stadt verfolgte ihr Projekt anscheinend nicht und wir hatten noch ein bisschen. Im Laufe der Zeit bekam der Ghetto noch ein paar Anwohner, welche uns nie gestört haben, jedoch am Anfang ihr Scheiße über den ganzen Platz verteilten – aber auch das bekamen wir alles geregelt.

Viel gewöhnungsbedürftiger war der Moment, als man ankam und die Mauer war abgerissen, denn die galt nicht nur als super Graffitiwall, sondern auch als bezaubernder Windschutz. Doch am Ende können wir uns, soweit ich weiß, über nichts beschweren. Es gab nie Probleme mit der Stadt oder Anwohnern und es wurde nie etwas geklaut oder willkürlich zerstört. Danken können wir hier erstmal allen Skatern, die ihre Arbeit und ihr Geld in den Spot reingesteckt haben und nicht so Nazis waren, die mucken, wenn man mit ECHTEN Pegs über die Curbs rutscht.

Es gab über die Zeit obergeile Jams, Grillsessions und auch einfach so super Sessions, die gezeigt haben, dass das Zusammenleben zwischen Rad- und Brettfahrern perfekt funktionieren kann. Also an dieser Stelle nochmal ein dickes „Danke“ an diese unvergessliche Zeit und mal sehen, was sich in Frankfurt noch so über die Jahre entwickelt … ES WAR SO GEIL!“ – Sebastian Anton

RIP, GHETTOSPOT!

Texte: Bruno Hoffmann, Merlin Czarnulla, Sebastian Anton, Wanja Vogt
Fotos: Merlin Czarnulla, Sebastian Anton, Wanja Vogt
Videos: Felix Reinhart, The Medialist

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