Die Allermeisten suchen hier wahrscheinlich den neuesten kurzweiligen Clip und finden stattdessen einen Fließtext. „Verdammt, ein Fließtext. Brudi, Texte machen mir Angst und es gibt nicht genug Therapeuten für alle. Denk doch bitte mit, die Aufmerksamkeitsökonomie hat uns im Würgegriff.“
Ist die ganze digitale Ablenkung zu einem echten Problem geworden? Funktioniert es überhaupt noch, wenn man heutzutage etwas schreibt und wo findet man Leser? Auf den Websiten oder in den wenigen Printmagazinen, die uns geblieben sind? Gibt es diese eine Menge von Lesern im BMX, die nicht nur bis hierher gekommen sind, sondern vielleicht sogar mehr wollen?
Dank dem Internet gibt es so viel zu lesen wie noch nie zuvor, trotzdem macht es niemand. (QUELLE: Google). Auch die Berichterstatter beugten sich längst den Regeln des Algorithmus und folgen den trendigsten Schemata. Wut ist nach Angst das neueste Ding in Social Media, die ganze Wahrheit passt natürlich auf eine Kachel bei X, Insta oder Tinder, wir produzieren uns selbst und stellen uns gewinnbringend online. Per Likes und Herzchen werden wir dann zu YouTubern und bieten auch gleich ein Coaching und später vielleicht die eigenen Brüste an. Next Stop ONLYFANS, thats the way! 1Million Follower und sich dann allein mit Stativ filmen.
Gibt es noch etwas anderes? Hat noch jemand eine Meinung, vielleicht sogar eine Message oder gar ein echtes Interesse? Das alles ging mir während unseres letzten Reithalle-Contests in Ulm durch den Kopf und ich hätte gerne Antworten! Mehr lesbaren Content: ja oder nein?
Versuchen wir es mal mit Vorbildfunktion und ihr habt noch etwas Zeit, euch zu entscheiden. Ihr könnt jetzt einen BMXer im Interview mit echtem Interesse an Musik kennenlernen. Stellt euch vor: sich echte Skills erarbeiten, sich verbessern und dranbleiben. Highs and lows. Das kommt euch jetzt bekannt vor? Komisch, und jetzt beichte ich noch etwas: Ich prüfe ganz automatisch jeden Song, den ich höre auf Videopart-Verträglichkeit. Kommt euch auch wieder bekannt vor? Diggi, weil Musik der Hammer ist!
Viel Spaß mit einem Haufen selbstausgedachter Fragen für Florian Huber, während sich der Algorithmus, personalisierte Werbung, die Klickzahlen, Fans und die KI jetzt mal schön selber ficken können.
Wer bist Du, woher kommst du und was soll das alles?
Mein Name ist Florian Huber, ich komme aus Rosenheim und spiele seit klein auf Gitarre. Die Musik war schon immer in meinem Leben. In meiner Jugend begann ich dann, BMX zu fahren und dann später auch mit dem Singen. Mein Traum war es jedoch immer, Gitarre zu spielen, dabei zu singen und auch in einer Band zu spielen.

Ich beobachte dich schon länger via Instagram und Du warst auch schon öfter auf süddeutschen Contests und Jams anzutreffen. Was fährst du am liebsten: Park, Street oder tatsächlich BMX?
Schwierig zu sagen, was ich am liebsten fahre. In meiner Gegend sind die Parks sehr auf „Street“ gebaut, wobei es für mich auch immer ein Highlight ist, in einem der größeren Parks zu fahren wie z.B mein persönlicher Faves: Bikepark Darmstadt und die Ulmer Reithalle. Im Gesamten würde ich sagen, habe ich das Fahren auf Skateparks gelernt und habe mich dann mit der Zeit immer weiter Richtung „Parkfahren“ entwickelt. Die Mischung aus allem eben, techy und Airtime [Anmerkung der Laberbacke: also BMX-fahren].

Was kannst du besser: Gitarre spielen oder BMX fahren?
Ich glaube technisch gesehen bin ich im Gitarre-Spielen besser, da ich seit der 2. Klasse Musik mache und es sich somit in mein Unterbewusstsein geschlichen hat. Vielleicht kann sich aber mein Fahrstil auf dem BMX sehen lassen. Da höre ich mir in Zukunft auch gerne die Meinung der Judges an.

Ich denke für die allermeisten gehört Musik und BMX auch zusammen. Ich sehe kaum einen BMXer, der nicht mit Kopfhörern, EarPods oder einer Bluetooth-Box ausgestattet ist. Videoparts leben vom Sound und auch alle Insta-Reels usw. Es ist ein perfektes Match, wenn man weiß wie. Hat die BMX-Szene dich motiviert, Musik zu machen oder wie kam es dazu?
Aus genau diesem Grund, die BMX- und Skate-Szene lebt von der Musik. Das alles mit Live-Musik zu kombinieren, ist für mich natürlich. Ich möchte mit meiner Art Musik zu machen, die Menschen zusammenbringen und damit diese Community unterstützen. Im besten Fall reißt es die Menschen mit. Dass ich jetzt mit meinem Soloprojekt (Floreyson) schon Shows spielen durfte, macht mich stolz. Zu sehen, dass die Leute Spaß daran haben, motiviert mich weiter dran zu arbeiten und in Zukunft mehr Shows zu liefern. Es ist eine Brücke zwischen meinen Leidenschaften.
“Zu sehen, dass die Leute Spaß daran haben, motiviert mich weiter dran zu arbeiten und in Zukunft mehr Shows zu liefern.”
Stell uns deine Band kurz vor. Welchen Style spielt ihr und wer gehört alles dazu?
Meine Band „Roosters“ besteht aus meinem Bruder Michael Huber (Gitarre), David Zeißl (Schlagzeug), Johannes Öttl am Bass und mir an Gitarre und Mic. Wir spielen Songs aus den Genres Indie, Indie-Rock, Grunge-Rock, Punk-Rock und Metal. Wir sind als Band seit diesem Jahr oft unterwegs und durften mehrere Gigs in unserer Gegend spielen.

Du hast ja schon ein paar BMX Events bespielt. Welche waren das und wie war es für dich, beim letzten BMX-Event in Ulm aufzutreten?
Im Sommer durfte ich beim Strawberry Jam in Lohof/München zeigen, was meine Idee ist und es war ein mega Start für mein Soloprojekt Floreyson. Zu hören, dass alle sehr happy mit der Show waren, ist für mich das größte Kompliment, da es mein erster Act in dieser Form war.
Der Auftritt in Ulm war für mich auch ein besonderer Anlass, da ich dort in den letzten Jahren selbst als BMX-Fahrer an den Start ging. Daher steht die Verbindung mit den Menschen und auch zum Contest. Dieses Jahr durfte ich eben in Form von Musik meinen Teil dazu beitragen und ein Konzert auftischen. Danke dafür!
Die Zusammenarbeit mit dem Team der Reithalle und vor allem Manuel „Koli“ Prinz mit seiner Firma mpatech war grandios. Im Großen und Ganzen hat es mir nochmal verdeutlicht, wie sehr ich diese besondere Atmosphäre bei BMX-Veranstaltungen liebe.

Was hat es eigentlich mit dem Namen deines Soloprojekts auf sich?
Ursprünglich habe ich damals nach einem Nutzernamen für Insta gesucht – ohne Punkt und Komma oder Zahlen oder so. Floreyson war noch frei und mir hat der Name gefallen. Irgendwann haben dann meine Bekannten damit angefangen, mich so zu nennen. Ich fand das eigentlich ganz lustig, weil es jeder anders ausgesprochen hat. Seitdem ist das mein Künstlername.
Du spielst ja nicht nur auf BMX-Events, ich habe gesehen du spielst in Bars, Clubs und – WTF! – du warst Teilnehmer bei The Voice of Germany. Das kann wohl kaum ein BMXer von sich behaupten. Was waren deine persönlichen Highlights?
The Voice of Germany war natürlich ein Highlight für mich. Mit all den Musikern dort zu connecten und sich gleichzeitig im „Wettkampf“ zu messen, war eine intensive und schöne Erfahrung. Gleichzeitig konnte jeder viel für seine Zukunft als Musiker mitnehmen. Daher war die Zeit dort und auch der Auftritt im TV definitiv wertvoll. BMX-Contests und -Jams mitzufahren, ist aber auch ein Highlight und im besten Fall ist dann alles an einem Fleck: Freunde, Musik, der Sport, gute Stimmung usw. Veranstaltungen mit Musik zu unterstützen, macht einfach extrem Spaß.
“Veranstaltungen mit Musik zu unterstützen, macht einfach extrem Spaß.”

Ich finde es sehr geil, dass es unter den Teilnehmern bei The Voice einen BMXer gibt. Wie kommt man eigentlich dazu bzw. wie kam das zustande?
Anfangs hatte ich nur nach einem regionalen „Gesangscontest“ gesucht und bin nicht wirklich fündig geworden. Dann kam mir der Gedanke: „Warum probierst du’s nicht einfach mal bei einer Show?” Mit dem Gedanken, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dort genommen zu werden, habe ich einfach mal das Online-Bewerbungsformular ausgefüllt. Beim Ausfüllen gab es jedes Mal eine Fehlermeldung und dank meines schlechten Internets musste ich es viermal versuchen, bis es endlich geklappt hat. Ein paar Wochen später kam dann eine Antwort von ProSieben.

Würdest du gerne öfter bei BMX-Events spielen? Hast du eine Wunschlocation oder eine bestimmtes Veranstaltung, wo du unbedingt einmal auftreten möchtest?
Es ist generell mein Traum, an BMX- und auch Skate-Events spielen zu dürfen. Allein die Erfahrungen, die ich dieses Jahr schon sammeln durfte, sind unvergesslich. Ich hoffe, dass sich immer neue Möglichkeiten ergeben, die Community mit Musik zu versorgen. Das gehört doch zusammen.
“Es ist generell mein Traum, an BMX- und auch Skate-Events spielen zu dürfen.”
Was können Veranstalter von BMX-Events erwarten, wenn sie dich und deine Band buchen? Was macht euch als Live-Act aus?
Vorab, ich habe keine Ahnung, ob es an „Live-Acts“ und Bands mangelt. Das muss jeder für sich beantworten. Als Band „Roosters“, „Roosters-Unplugged“ und auch ich mit meinem Soloprojekt „Floreyson“ können wir flexibel auf verschiedene Anlässe eingehen, ohne uns zu verbiegen. Jeder Veranstalter, der uns als Musiker bucht, bekommt eine komplette Show voll mit Songs abgestimmt auf den jeweiligen Anlass. Mit unserem Equipment haben wir die Möglichkeit, komplett autark mit sattem Sound Liveshows aufzutischen. Priorität hat die beste Live-Experience für den Zuschauer. Eigene Songs packen wir natürlich auch ins Set.

Wie kann man euch am besten kontaktieren oder buchen, wenn man euch für ein Event haben möchte?
Folgen und schnell erreichen könnt Ihr uns auf den Instagram-Accounts @floreyson und @roosters.music – oder per E-Mail an huber.flogysims@gmail.com. Immer her mit den Anfragen!
Alles klar, möchtest du sonst noch etwas loswerden?
Ja, tatsächlich. Ich arbeite gerade an einem Song, der bei einem meiner nächsten Konzerte dann veröffentlicht wird.
Wir sind gespannt! Danke für deine Zeit, Flo!

Wenn Ihr wissen wollt, welcher der beste Song der Welt ist, müsst ihr Flo bei der nächsten Session persönlich ansprechen.
Interview: Gregor Podlesny
Share