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Ryan Nyquist Interview

Ryan Nyquist ist ohne Zweifel einer der erfolgreichsten BMX-Fahrer aller Zeiten. Über viele Jahre hinweg hat er fast nach Belieben die Contestszene dominiert und in seiner bisherigen Karriere 14 X-Games-Medaillen gewonnen. Als sich Ryan jedoch 2011 eine komplizierte Handverletzung zuzog, aufgrund der er sieben Monate pausieren musste, schien sein Siegeszug ein Ende gefunden zu haben. Immerhin war er zu diesem Zeitpunkt schon über 30 und gerade zum zweiten Mal Vater geworden. War jetzt nicht ein guter Augenblick gekommen, um in Rente zu gehen?
Doch Ryan hatte andere Pläne und bewies im vergangenen Jahr eindrucksvoll, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Als wäre nichts gewesen, eilte er 2012 von Triumph zu Triumph und holte unter anderem den zweiten Platz auf dem Red Bull „Empire of Dirt“ in London, staubte die Park-Bronzemedaille bei den X Games ab und gewann neben dem Dirtcontest auf dem Dew-Tour-Stopp in San Francisco auch noch den Red Bull „Skylines“-Contest in Paris.
Da Ryan vor ein paar Tagen in Deutschland war, um ein wenig die Werbetrommel für die X Games vom 27.-30. Juni 2013 im Münchener Olympiapark zu rühren, bot sich uns die Gelegenheit, ein Telefoninterview mit ihm zu führen. Wir haben euch gebeten, uns dafür Fragen zu schicken, was auch ziemlich gut funktioniert hat. Danke noch einmal dafür! Hier sind Ryans Antworten.

[Lebru:] Mit wie viel Jahren hast du angefangen, zu fahren?
Ich habe mit drei gelernt, Fahrrad zu fahren. Als ich dann elf Jahre alt war, habe ich ein paar Dirtjumps entdeckt und mit BMX angefangen.

[Marv:] Was hat dich dazu inspiriert, BMX zu fahren?
Ich habe es schon als Kind geliebt, von Bürgersteigen zu springen, da war BMX einfach der nächste logische Schritt.

[Marv:] Wer waren deine Vorbilder?
Es gab ein paar Locals, zu denen ich aufgeschaut habe. Die konnten Tricks, die ich damals für unmöglich hielt wie X-Ups, Lookdowns, 360s und solche Sachen. Anfang der Neunziger war ich dann ein großer Fan von Mat Hoffman, Jay Miron, Dennis McCoy und den ganzen anderen Gladiatoren.

Massiver Backflip auf dem Red Bull Skylines Contest in Paris; Foto: Kay Clauberg

[Marv:] Was war der erste Trick, den du gelernt hast?
Wahrscheinlich war das einfach ein Kickout oder so Basics wie One Hander und One Footer. Später kamen dann X-Ups und Tobbogans.

[Lebru:] Wann hast du deinen ersten Barspin gemacht?
Gute Frage, wahrscheinlich so mit 14 oder 15.

[Lebru:] Hast du schon mal einen Bunnyhop Double Barspin im Flat gemacht?
Nein, aber ich war echt nah dran. Ich habe zwar schon Bunnyhop Double Barspins in Rampen rein gemacht, aber noch nie einfach so auf dem Boden. Es dauert jedoch sicher nicht mehr lange, bis das jemand schafft.

Übertriebener One Handed X-Up 360 auf den BMX Masters 2005; Foto: Kay Clauberg

[Luke:] An welchem Trick hast du am längsten geübt?
Tailwhips. Ich kann sie mittlerweile zwar, habe aber bis heute Probleme mit ihnen. Als ich Tailwhips gelernt habe, dachte ich, sie würden bei mir so stylisch aussehen wie bei Taj [Mihelich]. Weit gefehlt! Das war für mich ziemlich enttäuschend, weil sie sich eigentlich ganz gut anfühlten. Als ich dann eine Aufnahme von einem meiner Tailwhips gesehen habe, hat mich das ziemlich schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Als ich Tailwhips gelernt habe, dachte ich, sie würden bei mir so stylisch aussehen wie bei Taj. Weit gefehlt!

[Grobi:] Bei welchem neu gelernten Trick hast du dich am meisten gefreut?
Am meisten gefreut habe ich mich wahrscheinlich, als ich 360s gelernt habe. Zuerst konnte ich mich nicht weiter als 270 Grad drehen, aber eines Tages hat es einfach „klick“ gemacht. Ich konnte es nicht fassen und weiß noch, wie ich gedacht habe: „Wow, ich habe 360s gelernt!“ Danach habe ich sie überall gemacht. Mit Barspins war es ähnlich. Die haben sich auch gleich gut angefühlt, und ich musste sie überall ausprobieren.

[Grobi:] Vor welchem Trick hast du Schiss?
Ganz klar Double Backflips. Obwohl ich schon einige davon ins Foampit gemacht habe, glaube ich nicht, dass ich jemals einen Double Flip auf einem richtigen Sprung machen werde, weil ich die Drehung überhaupt nicht kontrollieren kann. Deshalb lasse ich lieber die Finger davon.

Nothing auf den X Games 2012 in Los Angeles; Foto: Christian Van Hanja

[Flippo:] Hast du schon mal einen Cashroll probiert?
Ich habe mal mit Josh Betley ein paar ins Foampit probiert, davon gibt es auch ein kleines Webvideo [siehe unten]. Wir wollten den Trick einmal ausprobieren, aber wir haben einfach nicht verstanden, wie er funktioniert. Ich kann bis heute nicht genau erklären, was bei diesem Trick genau passiert. Für mich sind Cashrolls nichts, aber zum Glück gibt es ja noch jede Menge andere Sachen, die ich lernen kann.

[Ian Hawk:] Mit welchem Contest, Video oder Fototermin hast du deinen ersten Sponsorenvertrag bekommen?
Zuerst bin ich nur kleinere Contests bei mir in der Gegend gefahren und wurde dann recht schnell von meinem Localbikeshop gesponsert. Mein erster großer Wettbewerb war 1997 der B3-Contest in Seal Beach/Kalifornien. Das war ein Qualifikationslauf für die X Games, bei dem ich die Amateurklasse gewonnen habe und dann auch noch Pro mitgefahren bin. Ich wurde auf Anhieb Fünfter und konnte es nicht fassen. Nach dem Contest habe ich Alan Foster getroffen, der damals bei Airwalk gearbeitet hat und mir einen Flowdeal besorgt hat. Kurz darauf haben sich noch ein paar andere, kleinere Deals ergeben.

[Daniel:] Welche Sponsoren hast du?
Ich fahre für Haro Bikes, Rockstar Energy, Osiris, Bell Helmets, CTI Knee Braces und den Jiffy Market.

[Robin:] Wie lange fährst du schon für Haro Bikes?
16 Jahre.

Suicide auf den X Games 1999; Foto: Kay Clauberg

[Gimmy:] Siehst du dich als Athlet?
Ja, denn ich bin der Meinung, dass man viel athletisches Talent mitbringen muss, um das zu tun, was ich tue. Ein Contestlauf ist zwischen 45 Sekunden und einer Minute lang. In dieser Zeit legen die Fahrer nicht nur einen heftigen Sprint hin, sondern machen gleichzeitig auch noch jede Menge Tricks. Davon einmal abgesehen, messe ich mich auch gerne an anderen Fahrern.

Ich bin der Meinung, dass man viel athletisches Talent mitbringen muss, um das zu tun, was ich tue.

[Mr. Oldschool:] Ich wollte man fragen, warum du in deinem Props-Interview (Ausgabe 22) diesen schönen blauen Bart hattest? War das deine Technozeit, oder hat die Pride-Flagge irgendetwas damit zu tun?
Auch eine gute Frage, aber leider habe ich keine gute Antwort darauf. Ich hatte damals tatsächlichen einen blauen Ziegenbart [lacht]. Es gab dafür keinen besonderen Grund. Ich fand es zu der Zeit einfach lustig, meinen Bart zu färben bzw. meine Freundin hat das für mich gemacht. Er war auch mal grün, aber mit Techno hatte das alles nichts zu tun. Ich war damals jung, hatte noch nie meine Haare gefärbt und wollte es einfach einmal ausprobieren. Das ergibt wahrscheinlich nicht viel Sinn, aber so war das damals eben, und ich habe das auch fast ein ganzes Jahr durchgezogen.

[Timm:] Gibt es einen super geheimen Trick, wie bei Suicides in Drehungen (z. B. 180s oder 360s) der Lenker nicht anfängt, sich zu drehen?
Für mich liegt das Geheimnis darin, die Vorderradbremse zu ziehen, sobald ich in der Luft bin. Das hat bestimmt irgendwelche physikalischen Gründe, die ich aber nicht so genau verstehe. Auf jeden Fall bleibt der Lenker dann gerade. Das heißt aber nicht, dass der Trick nicht auch ohne Vorderradbremse geht. Doch ohne Bremse dreht sich der Lenker leicht weg, und ich glaube nicht, dass man den Trick so richtig halten kann.

Wenn sich der Lenker beim Suicide schon mal dreht, kann man das auch gleich ausnutzen

[ThatGuy:] Warum benutzt du Oldschool-Knie- und Schienbeinschoner? Hat das irgendwelche Vorteile?
Ich habe solche Schoner schon getragen, als ich noch klein war. Vor ein paar Jahren habe ich eine Zeit lang dünnere Kneepads ausprobiert, aber weil ich meistens auf die Knie falle, wenn ich stürze, war das nichts für mich. Deshalb schwöre ich heute wieder auf Knieschoner mit Hartplastikschalen. Es ergibt für mich auch keinen Sinn, beim Fahren lange Hosen zu tragen. Zum einen wird mir in denen immer super heiß, zum anderen, zerreiße ich sie immer, wenn ich auf meine Knie falle. Deshalb habe ich wieder damit angefangen, Shorts zu tragen. In Shorts kann ich wie ein Skateboarder Kneeslides machen, wenn ich stürze, anstatt unkontrolliert hinzufallen. Das ist super und bewahrt mich oft vor schweren Verletzungen. Ich bin gerade dabei, wiederzuentdecken, was sich für mich gut anfühlt und Kneeslides gehören definitiv dazu. Wen interessiert schon, was gerade angesagt ist?

Ich bin gerade dabei, wiederzuentdecken, was sich für mich gut anfühlt und Kneeslides gehören definitiv dazu.

Ja, gut, eh; Foto: Kay Clauberg

[Markus Wilke:] Gibt es für dich einen Unterschied zwischen einem Corked 720 und einem 360 Flip?
Ich bin der Meinung, dass es zwischen den beiden Tricks kaum einen Unterschied gibt. Das ist vergleichbar mit Decades und 360 Downside Whips, die sind sich auch sehr ähnlich. Ich persönlich brauche für einen 360 Flip mehr Geschwindigkeit als für einen Cork 720, weil ich bei 360 Flips mehr in die Höhe gehe. Ich habe mittlerweile aber aufgehört, 360 Flips zu machen. Ich war mir nie sicher, ob ich den Tricks auch wirklich schaffe, und oft hat man mir danach gesagt, dass es ein guter 720 war [lacht].

[Markus Wilke:] Du wirst im März 34. Denkst du manchmal ans Aufhören?
Nein, ich mache auf jeden Fall noch eine Weile weiter. Ich liebe, was ich mache und kann mir mein Leben nicht anders vorstellen. Ich werde mich also auch in den nächsten Jahren definitiv weiter pushen und Contests mitfahren.

Ryan Nyquist fährt vom 27.-30. Juni 2013 bei den X Games in München mit. In Deutschland berichten die Fernsehsendern der ProSiebenSat.1-Gruppe über das Event im Olympiapark. Weitere Infos findest du auf www.xgames.espn.go.com.

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