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Von bösen Discountern

Wir alle kennen wahrscheinlich das Gefühl nahenden Unheils, das man ganz besonders gerne spürt, wenn wieder mal ein nichts ahnendes Kind auf einem brandneuen Billig-BMX im Skatepark aufkreuzt. An der Karre stimmt wirklich nichts: Der Lenker ist zu weit vorne und das Oberrohr ist viel zu kurz. Dafür die Sattelstütze zu lang. Die Bremsen funktionieren nicht, die Pedale rutschen und der Schaftvorbau wird auch nur von zwölf bis Mittag halten. Dafür sind aber Flammenaufkleber auf dem Oberrohr. Es gibt bessere Räder, keine Frage.
Aber muss man deshalb direkt den Untergang des Abendlandes beschwören, wie das auf dieser facebook-Seite gerade passiert? Eher nicht. Es gab schon immer schlechte BMX-Räder und solange niemand sich die Gräten bricht, weil die einteilige Kurbel am ersten Bordstein abgebrochen ist, finde ich das sogar ganz gut, dass es BMX-Räder auch im Baumarkt gibt. Weil an solchen Orten Leute mit BMX konfrontiert werden, die ansonsten niemals im Traum daran gedacht hätten, ihrem Kind etwas anderes als einen Fußball zu kaufen. Wer im Baumarkt ein „Supertrick 360“ für 199 Euro mitnimmt, kauft nicht im BMX-Laden ein. Und wenn beim Fahrraddiscounter ein chromschimmerndes Billig-BMX direkt neben den Mountainbikes steht, besteht die Chance, dass sich da jemand für die gute Seite der Macht entscheidet, anstatt sein Konfirmationsgeld für einen vollgefederten Haufen Schrott mit Scheibenbremsen auszugeben.
Aber es wird ja nicht nur gegen schlechte Fahrräder geschossen, sondern auch gegen „Discounter“. Namen werden nicht genannt, aber es gehört nicht besonders viel Phantasie dazu, darauf zu kommen, dass es gegen Mailorder geht, die ihre Produkte vor allem über Billigpreise loswerden, gerne auch in ganz Europa. Eine gewisse Nähe zur letzten kunstform?!-Anzeige, die auch recht kontrovers diskutiert wurde, drängt sich geradezu auf.

Hat irgendjemand da noch eine andere Farbe außer schwarz und weiß gesehen?

Und ja, es gibt tatsächlich gute Gründe, sein Geld lieber beim örtlichen BMX-Laden zu lassen. Weil der sich nämlich unter Umständen auch um einen neuen Skatepark kümmert oder die Trails in Schuss hält, weil man da auch einfach mal so reinschauen und eine DVD gucken kann, weil man von denen eventuell irgendwann mal gesponsert werden will, weil man da sofort Hilfe bekommt, wenn die neue Kurbel nicht das tut, was sie sollte. Das sind alles Dienstleistungen, die kein Mailorder der Welt leisten kann, Discounter hin oder her.
Ich finde es allerdings fragwürdig, das ins Gegenteil umzudrehen und zu behaupten, dass eine Firma nur dann und vor allem automatisch gut ist, wenn ihr Besitzer BMX fährt. Eine Firma sollte man nicht an ihrem Inhaber messen, sondern an ihren Produkten und Handlungen. Das gilt auch für BMX-Firmen. Man kann gleichzeitig BMX fahren und trotzdem auf asoziale Geschäftspraktiken setzen. Wen interessiert es, dass der Typ hinter der Theke seine Feierabende mit einem Pogostick oder auf dem Bolzplatz verbringt, wenn er hervorragend berät, auswendig aufzählen kann, welche Pedalen einen 6 mm-Inbus in der Achse haben und sofort weiß, wann die nächste Lieferung lila gepunkteter Sunday-Rahmen aus Taiwan verschifft wird? Wieso wird ein Geschäft automatisch unterstützenswert, weil der Inhaber vor 15 Jahren mal BMX fahren konnte?

Ich fände es spannend, diese Diskussion in aller Gründlichkeit zu führen. Ich kann mich allerdings nicht daran erinnern, dass so etwas jemals auf facebook funktioniert hätte und so wird nur wieder eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Heute die BMX-Discounter, morgen der Tankboykott und übermorgen wieder die Hunde in der Ukraine. Die Zeit, in der man wegen solchen Dingen Krach schlägt, könnte man auch anders nutzen. Jemanden durch gute Beratung von den Vorzügen eines BMX-Ladens um die Ecke überzeugen, noch mal wegen der geplanten Halle bei der Stadtverwaltung anrufen oder einen neuen Sticker designen. Das sind alles Dinge, die deutlich nachhaltiger Wirkung zeigen dürften als der Sturm im Wasserglas, der da bestenfalls auf facebook erzeugt wird.

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